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Prozesse & Automatisierung 10. Juni 2026 · 8 Min. Lesezeit

Kosten ohne Beleg

Die Auswertung liegt auf dem Tisch. Material, Löhne, Energie, Versicherungen, Leasing – alles ordentlich aufgeführt. Der Posten, der Dir den Monat schwer gemacht hat, steht nicht darauf. Er steht nirgends.

Das liegt nicht an Deinem Steuerberater. Es liegt daran, dass diese Kosten keinen Beleg haben. Niemand schreibt eine Rechnung über die zwanzig Minuten, in denen Deine Büroleiterin nach der gültigen Fassung eines Angebots gesucht hat. Die Zeit war trotzdem da. Bezahlt wurde sie auch – nur eben unter „Löhne und Gehälter", zusammen mit allem anderen.

Genau das macht diesen Posten so zäh. Was keinen Namen hat, wird nicht besprochen. Was nicht besprochen wird, ändert sich nie.

Warum die Auswertung schweigt

Eine betriebswirtschaftliche Auswertung beantwortet eine klare Frage: Wofür ist Geld geflossen? Sie beantwortet nicht die Frage, die Dich eigentlich umtreibt: Wofür ist die Zeit draufgegangen, die Du ohnehin bezahlst?

Lohnkosten sind ein Block. Ob jemand an einem Tag acht Stunden an der Sache gearbeitet hat oder sechs – weil zwei fürs Suchen, Nachfragen und Richtigstellen draufgingen –, ist aus den Zahlen nicht zu erkennen. Beides sieht identisch aus.

Die Zahlen stimmen alle. Sie passen nur nicht zu dem Gefühl, mit dem Du freitags aus dem Betrieb gehst.

Vier Stellen, an denen die Zeit verschwindet

Sie sehen in jedem Betrieb anders aus und funktionieren überall gleich. Wahrscheinlich erkennst Du mindestens zwei davon sofort wieder:

Keiner dieser Vorgänge ist ein Vorfall. Niemand meldet sie, niemand protokolliert sie. Es gibt auch nichts zu protokollieren – am Ende hat es ja geklappt.

Zu klein, um aufzufallen

Es gibt eine Schwelle, unterhalb derer wir etwas nicht mehr als Problem wahrnehmen. Sie liegt ungefähr dort, wo der Vorgang kürzer dauert als das Gespräch darüber. Vier Minuten Suchen lohnen keine Beschwerde. Also beschwert sich niemand.

Ein Maschinenausfall über zwei Tage landet sofort bei der Geschäftsführung. Vier Minuten sind ein Schulterzucken. Welcher der beiden Posten am Jahresende schwerer wiegt, weiß in den meisten Betrieben niemand – weil nur der erste gezählt wird.

Dazu kommt die Gewöhnung. Wer einen Ablauf seit sechs Jahren so macht, erlebt ihn nicht mehr als Umweg. Er ist einfach der Weg. Erst jemand Neues fragt „warum eigentlich so?" – und bekommt zur Antwort: „Das machen wir immer so." Diese Antwort ist das zuverlässigste Signal, das Du bekommen kannst.

Rechne es selbst aus

An dieser Stelle könnte eine beeindruckende Zahl stehen. Studien und Prozentangaben gibt es reichlich, und sie klingen alle überzeugend. Nur helfen sie Dir nicht. Sie stammen aus anderen Betrieben, mit anderer Größe, anderer Branche, anderen Abläufen. Und Du glaubst sie zu Recht nicht.

Was hilft, ist die Rechnung selbst – mit Deinen Werten. Sie passt auf einen Bierdeckel und braucht keine Software.

Die Rechnung, die Du selbst aufmachst

Drei Schritte, in dieser Reihenfolge. Du brauchst dafür keine Auswertung und keine Beratung – nur einen Vorgang, eine Woche und einen Taschenrechner.

  1. 1
    Einen Vorgang benennen

    Den, über den sich bei Euch am häufigsten jemand beklagt. Es muss nicht der größte sein, der lauteste reicht für den Anfang.

  2. 2
    Eine Woche mitzählen

    Strichliste neben die Tastatur. Wie oft am Tag kommt er vor? Wie viele Minuten kostet er jedes Mal? Grob geschätzt genügt.

  3. 3
    Multiplizieren

    Minuten mal Häufigkeit pro Tag mal Arbeitstage im Jahr. Durch 60 teilen, mal Deinen internen Stundensatz. Fertig.

Du bekommst keine exakte Zahl. Du bekommst eine Größenordnung – und die reicht völlig aus, um zu entscheiden, ob sich das Hinsehen lohnt. Mach die Rechnung für drei Vorgänge, nicht für einen. Der Punkt ist die Summe.

Den internen Stundensatz bekommst Du ohne großen Aufwand: Bruttolohn plus Lohnnebenkosten, geteilt durch die Stunden, die tatsächlich geleistet werden. Nicht der Satz, den Du Kunden berechnest – der gehört in eine zweite Rechnung, wenn Du wissen willst, was die Zeit stattdessen eingebracht hätte.

Die zweite Sorte: Kosten, die nie entstehen

Die erste Sorte kostet Zeit, die Du bezahlst. Die zweite kostet Umsatz, den Du nie siehst. Sie ist noch schwerer zu fassen, weil ihr nicht einmal eine Tätigkeit entspricht.

Der Anrufer, der niemanden erreicht, weil alle im Gespräch sind, und beim nächsten Betrieb anruft. Das Angebot, das drei Tage später rausgeht als das des Wettbewerbers. Die Reklamation, die liegen bleibt, bis aus Ärger eine Bewertung wird.

Diese Vorgänge hinterlassen keine Spur. Es gibt kein Protokoll über den Kunden, der nicht wiederkommt. In der Auswertung sieht ein verlorener Auftrag genauso aus wie einer, den es nie gegeben hat: Er fehlt einfach. Und was fehlt, lässt sich nicht beziffern – nur beobachten.

Warum darüber nie gesprochen wird

Es ist nicht Nachlässigkeit, dass dieser Posten unbesprochen bleibt. Es gibt drei gute Gründe dafür, und alle drei halten sich hartnäckig:

Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz: Dieses Gespräch kommt nicht von selbst zustande. Es muss angesetzt werden, wie jeder andere Termin auch.

Zwei Wochen mitschreiben

Der Einstieg ist unspektakulär und kostet fast nichts. Keine Zeiterfassung – die misst, wie lange etwas gedauert hat, nicht, wodurch jemand aufgehalten wurde.

Stattdessen: ein Zettel pro Person, zwei Wochen lang, eine einzige Frage darauf. „Was hat mich heute aufgehalten?" Ein Satz am Tag genügt, am Feierabend notiert, ohne Formular und ohne System.

Entscheidend ist, wie Du es ankündigst. Wenn das Team den Zettel als Leistungskontrolle versteht, steht nichts Brauchbares darauf. Sag deutlich, worum es geht: Du suchst die Stellen, die Deinen Leuten den Tag zerhacken, nicht die Leute. Wer das glaubt, schreibt auf, was wirklich passiert.

Nach zwei Wochen sortierst Du die Zettel – nach Häufigkeit, nicht nach Ärger. Das ist der wichtigste Unterschied im ganzen Verfahren. Was am meisten nervt, ist selten das, was am meisten kostet. Was am meisten kostet, ist das, was am häufigsten vorkommt und dabei niemanden besonders aufregt.

Woran Du erkennst, dass Du etwas gefunden hast

Nicht jeder Eintrag auf diesen Zetteln ist ein Posten. Drei Merkmale trennen den Einzelfall vom Dauerzustand:

Treffen alle drei zu, hast Du keinen Einzelfall gefunden, sondern einen Posten. Einen mit Namen, mit Häufigkeit und mit einer Größenordnung in Euro. Damit lässt sich arbeiten.

Sichtbar ist die halbe Strecke

Was diese Vorgänge am Leben hält, ist nicht ihre Schwierigkeit. Es ist, dass sie unbenannt bleiben. Sobald ein Posten einen Namen und eine Größenordnung hat, wird er behandelt wie jede andere Position auch: Man redet darüber, wägt ab, entscheidet.

Erst danach stellt sich die Frage, was damit geschieht. Manches löst sich durch eine Absprache. Manches durch eine andere Reihenfolge im Ablauf. Und manches ist genau die Sorte Arbeit, die ein KI-Mitarbeiter vollständig übernehmen kann – Anrufe annehmen und einordnen, wenn gerade niemand kann, Dokumente erfassen und richtig ablegen, Antworten aus den eigenen Unterlagen geben, statt dass jemand sucht.

Welcher Weg bei Dir der richtige ist, entscheidet nicht die Technik. Das entscheidet Deine Liste. Und die hat bisher niemand geschrieben.

Fang mit dem Zettel an

Nicht mit der Lösung, nicht mit einem Projekt, nicht mit einem Termin bei einem Anbieter. Zwei Wochen, eine Frage, drei Rechnungen auf einem Bierdeckel.

Danach weißt Du zum ersten Mal, worüber Du eigentlich redest – und hast eine Zahl, die aus Deinem Betrieb stammt und nicht aus einer Broschüre. Es kann sein, dass sie kleiner ausfällt als befürchtet. Dann hast Du Klarheit und kannst das Thema abhaken. Es kann auch sein, dass sie größer ausfällt. Dann weißt Du endlich, warum die Auswertung jeden Monat stimmt und sich trotzdem falsch anfühlt.

Häufige Fragen

Warum tauchen diese Kosten in der BWA nicht auf?

Weil sie keinen eigenen Beleg haben. Die Zeit fürs Suchen, Nachfassen und Doppeltmachen steckt bereits in den Löhnen, die ohnehin gezahlt werden. Eine Auswertung zeigt, wofür Geld geflossen ist – nicht, wofür die bezahlte Zeit draufgegangen ist.

Wie rechne ich aus, was ein manueller Vorgang im Jahr kostet?

Minuten pro Vorgang mal Häufigkeit pro Tag mal Arbeitstage im Jahr ergibt die Jahreszeit in Minuten. Durch 60 geteilt und mit Deinem internen Stundensatz multipliziert ergibt sich der Betrag. Das Ergebnis ist keine exakte Zahl, sondern eine Größenordnung – und die genügt für die Entscheidung, ob genauer hingesehen wird.

Welchen Stundensatz soll ich für die Rechnung ansetzen?

Den internen Satz, also Bruttolohn plus Lohnnebenkosten, geteilt durch die tatsächlich geleisteten Stunden. Nicht den Satz, den Du Kunden berechnest. Wer vergleichen will, was die Zeit woanders eingebracht hätte, kann eine zweite Rechnung mit dem Verrechnungssatz aufmachen.

Wie lange muss ich mitschreiben, damit die Zahl belastbar ist?

Zwei Wochen reichen für eine Größenordnung, wenn keine Urlaubszeit und keine Ausnahmewoche darin liegt. Entscheidend ist nicht die Dauer, sondern dass wirklich jeden Tag notiert wird und nicht nur an den Tagen, an denen etwas besonders geärgert hat.

Brauche ich dafür eine Zeiterfassung?

Nein, und sie hilft an dieser Stelle auch nicht. Zeiterfassung misst, wie lange etwas gedauert hat, aber nicht, wodurch jemand aufgehalten wurde. Ein Zettel mit einer einzigen Frage liefert hier mehr als jedes System.

Mein Team sagt, das sind nur ein paar Minuten. Stimmt das?

Pro Vorgang stimmt es meistens. Genau deshalb fällt es nicht auf. Die Frage ist nicht, wie lang ein einzelner Vorgang dauert, sondern wie oft er vorkommt – und diese Zahl kennt im Betrieb in der Regel niemand, bis jemand sie aufschreibt.

Woran erkenne ich Arbeit, die zweimal gemacht wird?

An Sätzen wie „das hatte ich schon fertig" oder „ich wusste nicht, dass Du das machst". Doppelte Arbeit zeigt sich fast nie als Fehler, sondern als Überraschung im Nachhinein. Wer auf diese Sätze achtet, findet die Stellen innerhalb weniger Tage.

Was mache ich mit der Zahl, wenn ich sie habe?

Zuerst: sie aussprechen. Ein Posten, der einen Namen und eine Größenordnung hat, lässt sich in einer Besprechung behandeln wie jeder andere auch. Erst danach stellt sich die Frage, ob sich der Ablauf ändern lässt oder ob ein Teil davon ganz abgegeben werden kann.

Welcher Posten steht bei Dir nirgends?

Im kostenlosen Erstgespräch gehen wir Deinen Alltag durch und benennen die Stellen, an denen bei Dir Zeit verschwindet – unverbindlich und ohne Präsentation.

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